16.12.2017
Bewerberschreck Brainteaser im Vorstellungsgespräch

Immer öfter müssen Sie sich in Vorstellungsgesprächen mit sogenannten Brainteasern rumschlagen. Das sind böse Knobelaufgaben, mit denen man Bewerber aus der Fassung oder zur Preisgabe intimer Dinge bringen will. Erschwerend hinzu kommt, dass diese Fragen wie aus heiterem Himmel kommen und den Bewerber völlig unvorbereitet treffen.

Personaler wollen einen Kandidaten innerhalb kurzer Zeit kennenlernen und richtig einschätzen. Angeblich erfordern Brainteaser analytisches Geschick, Kreativität und eine hohe Problemlösungskompetenz. Und das ist – insbesonders in Unternehmen aus der Technik- und Consultingbranche – zunehmend gefragt. Die richtige Lösung ist dabei weniger entscheidend als der Lösungasansatz und die logische Vorgehensweise.

Hier 20 Fragen, mit denen man Ihnen als Bewerber so richtig Feuer unterm Hintern machen will, damit der Druck im Gehirnkasten steigt:

  • Wenn Sie ein Tier wären, welches Tier würden Sie sein? (Bewerbung als Praktikant, Estée Lauder, München)
  • Wer würde einen Kampf zwischen Spiderman und Batman gewinnen? (Bewerbung als Junior Consultant, Stanford University, Palo Alto)
  • Erklären Sie, wie man Eier perfekt kocht. (Bewerbung als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Gesellschaft, Sankt Augustin)
  • Wie viele Tennisbälle werden während des Wimbledon-Turniers verwendet? (Bewerbung als Analyst, Accenture, London)
  • Beschreiben Sie einem Blinden die Farbe Gelb (Bewerbung als Flugbegleiter, Spirit Airlines, Fort Lauderdale)
  • Wie würden Sie vorgehen, um die Höhe eines Gebäudes mit einem Barometer zu messen? (Bewerbung als Business Analyst, Unicredit Management Consulting, München)
  • Welche 30 deutschen Unternehmen sind im DAX? (Bewerbung als Consultant, Roland Berger)
  • Welches ist Ihr Lieblingsereignis der Geschichte? (Bewerbung als Business Analyst, eFont Financial Solutions, Frankfurt a Main)
  • Was ist Ihr persönliches Geheimnis? (Bewerbung als Technischer Kundenberater, Apple, Hamburg)
  • Wie nennt man möglichst schnell alle Primzahlen bis n? (Bewerbung als Softwareentwickler, Zalando, Berlin)
  • Bitte versuchen Sie den jährlichen Verbrauch von Clearasil in Deutschland einzuschätzen. (Bewerbung für ein Praktikum Brand Management, Reckit Benckiser, Mannheim)
  • Nennen Sie mir 7 Dinge, die man mit diesem Stift machen kann. (Leiter der Kundenbetreuung, HitFox Group, Berlin)
  • Man stelle sich eine Maschine vor, die alle Milch produzieren kann, die Starbucks weltweit an einem durchschnittlichen Tag benötigt. Dazu muss nur die richtige Anzahl von Kühen durch diese Maschine gehen. Wie viele Starbucks-Läden gibt es weltweit? Wie viele Kühe würde ich brauchen? Wie schnell müssten sie durchgehen? (Bewerbung für ein Praktikum in der Beratung, Bain & Company, München)
  • Was würden Sie tun, wenn sie der einzige Überlebende nach einem Flugzeugabsturz wären? (Bewerbung als Trust and Safety Investigator, Airbnb, Portland)
  • Wie viele Kalorien gibt es in einem Lebensmittelgeschäft? (Bewerbung als Product Manager, angebl. Google, London [Google selbst bestreitet Brainteaser zu benutzen.])
  • Wie gern tanzen Sie? Ist es Ihnen peinlich vor anderen Personen zu tanzen? (Bewerbung als Assistent des Produktmanagers, Ubisoft)
  • Was ist ihre Meinung zum Film „The Blair Witch Project“? (Bewerbung als Data Analyst, (Jefferies & Company, London)
  • Wie würden Sie einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen? (Bewerbung als Temporary Sales Associate, Harrods, London)
  • Angenommen, Sie wachen auf, haben 2.000 ungelesene E-Mails, von denen Sie nur 300 beantworten können. Wie wählen Sie aus, welche Sie beantworten? (Bewerbung für das Dropbox-Job-Rotationsprogramm, Dropbox, )
  • Wenn man Sie bittet, eine randvoll mit Jelly-Beans beladene Boeing 747 zu entladen. Was würden sie tun? (Bewerbung als IT-Support Manager, Bose, Framingham)

Wie Kandidaten mit komplexen Problemstellungen umgehen, sollten Recruiter besser mit praxisorientierten Fallstudien prüfen oder nach erfolgreichen Problemlösungen in der Vergangenheit fragen. Das wäre in jedem Fall aussagekräftiger. Wenn Sie den Job wollen, müssen Sie allerdings mitspielen, ansonsten sind Sie raus.

Sie wollen wissen, wie ich die hobbypsychologische erste Frage nach dem Tier beantwortet hätte? "Im Moment wäre ich gern ein Eichhörnchen. Dann würde es mir leichter fallen Ihre Kopfnuss zu knacken." Das geht aber auch böser: "Ich wäre jetzt gern der Weiße Hai, dann könnte ich Sie wegen Ihrer Frage einfach verspeisen." Zu krass? Das müssen Sie entscheiden. Genauso, wie Sie letztlich entscheiden müssen, ob Sie in einem Unternehmen arbeiten wollen, das solche zweifelhaften Fragen stellt.

Meine Lieblingsfrage in Seminaren für Akademiker, Fach- und Führungskräfte: "Eine Melone wiegt 1.600 Gramm und besteht zu 99% aus Wasser. Nach dem Transport und einer längeren Liegezeit ist Wasser verdunstet, und die Melone besteht nur noch zu 98% aus Wasser. Wie schwer ist sie jetzt?" (Tipp: Die Frage können Sie ohne Taschenrechner und Formelsammlung, allein nur durch logisches Überlegen beantworten. Lösung s.u.)

Allen Lesern, Kunden, Geschäftspartnern, Auftraggebern, Seminar- und Coachingteilnehmern wünsche ich ein Frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches 2018. Was immer auch Erfolg für Sie bedeutet.

Lösung: Die Melone hat 1% Trockenmasse (TM), also 16g. Die TM bleibt immer konstant. Wenn Wasser verdunstet, ändert sich das Gewicht der TM nicht. Es bleibt bei 16g. Diese 16g machen aber nun 2% des neuen Gesamtgewichtes aus. Wenn 2% = 16 g sind, dann sind 1% = 8g. Dann sind 100% = 800g. Also wiegt die "eingeschrumpelte" Melone noch 800g. Kaum zu glauben, aber logisch richtig. Selbst gestandene Ingenieure sind an dieser Frage gescheitert. Und das waren weiß Gott keine Versager. (PS: Ich hab's beim ersten Mal auch nicht rausgekriegt.)

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